Oxford
Thursday, 27th September 2001 – Ready to Deal with the Unexpected...
Ja, es war mir gelungen. Am Morgen des 27. September befand ich mich in the right mood to leave a country in order to enter new and unknown territory. (Keine Selbstverständlichkeit für Charaktere wie mich, denen es tendenziell emotional schwer fällt, sich geographisch zu verschieben.)
Alles war gepackt, mein Gepäck wog in etwa das Doppelte des zugelassenen Gewichts, und ich hatte zu Hause 97% aller Punkte der wochenlang gepflegten to-do-list abhaken können.
Mit British Airways ging es von Frankfurt Airport nach London-Heathrow (es wäre ein bisschen umständlich gewesen, mit der Japan Airlines Großbritannien von Deutschland aus erreichen zu wollen; ich hätte den Umweg über Tokyo nehmen müssen...).
Ready to sudden exposure to Oxford life – yes, I had to remember that I had come to Oxford, not to England.
Just Arrived – My Home is my Castle
Ich teile ein flat (= eine Wohnung) im St Cross College Annexe, dem hübschen Neubau aus Mitte der 1990er Jahre eines 1965 gegründeten Oxford-College, mit vier weiteren graduate students (= Studierende, die bereits einen ersten universitären Abschluss, zumeist einen Bachelor’s Degree, erreicht haben und nun an ihrem Master’s Degree oder noch höheren akademischen Weihen, dem DPhil, Doctor of Philosophy, der nur in den allerseltensten Fällen tatsächlich etwas mit Philosophie zutun hat, arbeiten):
- Room 1 (John Washington, USA, History)
- Room 2 (Nadine Schoeneck, Germany, Sociology)
- Room 3 (Jan Stroemer, Germany, Engineering)
- Room 4 (Claire Ferguson, England, Forestry)
- Room 5 (Cherie Chang, Hong Kong, Sociology)
A few days ago, someone official from St Cross College gave us an introduction to three distinctive student characters at the University of Oxford: About a third of all students is really bright. Another third tries constantly not to fall asleep. And a last third enjoys having sexual phantasies while reading for an academic degree. (That’s real life at Oxford!)
Oxford Academics at a Glance
Das akademische Studienjahr at the University of Oxford, founded over 800 years ago and with a current total student body of slightly more than 16000 students, ist traditionell in drei achtwöchige terms (= Trimester) unterteilt: Michaelmas Term (Oktober – Dezember 2001), Hilary Term (Januar – März 2002) und Trinity Term (April – Juni 2002).
Nought Week ("die nullte Woche"), im aktuellen Falle die Woche vom 1. bis zum 6. Oktober, dient der Orientierung. Für new students und international/overseas students wird von den zentralen Einheiten der Universität (beispielsweise dem international office), den departments sowie von den knapp 40 colleges ein umfangreiches orientation and welcome-to-Oxford programme angeboten.
Zudem gibt es, wie immer, wenn man irgendwo neu ist und für eine gewisse extended period bleibt, zahlreiche Dinge zu erledigen – wobei es zweifelsohne so ist, dass der Umfang der administrativen Pflichten im United Kingdom für EU-Bürger deutlich geringer ist als, let’s say, in den USA.
St Cross College
St Cross College, erst Mitte der 1960er Jahre gegründet, is renowned for its friendliness and informality. St Cross College zählt zu den sieben graduate-only colleges in Oxford, und es heißt, es habe die mit Abstand beste Küche – ich kenne bisher noch nicht sehr viele andere college halls (denn um diese testen zu können, musst Du zumeist einen Bewohner des jeweiligen Colleges kennen, der Dich zu sich einlädt); aber was ich bisher kennen gelernt habe, my college hall and the other ones,... ja, diese Auszeichnung, das kann ich mir schon vorstellen...!
Nun, man lebt in den Colleges, hier findet das social life statt (so ist es zumindest vorgesehen). Doch obgleich einige Colleges eine gewisse fachliche Ausrichtung erkennen lassen, findet man an den meisten Colleges Studierende, Lehrende und Forschende sehr unterschiedlicher akademischer Disziplinen.
Neben den Colleges gibt es noch die faculties und departments – hier geht es selbstverständlich recht fachspezifisch zu.
Mein social life, zum Beispiel, findet im St Cross College statt, aber die meiste Zeit meines Tages verbringe ich im Department of Sociology, im Nuffield College und in der Politics, International Relations and Sociology (PIRS) Library (übrigens da, wo man seit einigen Tagen Chelsea Clinton, die in die Fußstapfen ihres Vaters, dem former Rhodes-Scholar, trat und nun in Oxford ihre graduate studies in international relations absolviert, antreffen kann – natürlich ist diese Bibliothek ausgesprochen gut bewacht...).
In Close Contact
Die Betreuung der Studierenden ist ausgezeichnet eng und gut – jeder new student erhält einen academic supervisor (nun, diese nette Dame habe ich verloren, da ich das Studienfach wechselte – ursprünglich war ich nämlich merkwürdigerweise für Refugee Studies vorgesehen; erst eine ganze Woche zäher Überzeugungsarbeit hat mich dahin gebracht, wo ich hinwollte: zu den Soziologen!), einen junior sponsor (einen erfahrenen Studi aus dem College, dem man angehört – in meinem Falle Dorothee, Archäologin aus Berlin), und einen senior sponsor (einen fellow aus demselben College – in meinem Falle Frau Prof. Lorna Casselton, Botanikerin).
Reading for Sociology
Reading for a degree bedeutet studying something, for example sociology. Es handelt sich dabei um einen für Oxford ganz charakteristischen Ausdruck.
What the Hell Does Sub-Fusc Mean?
Sub-Fusc ist der academic dress, der zu bestimmten Anlässen getragen werden muss (z.B. zur matriculation ceremony am 13. Oktober oder zu bestimmten Examen oder formal dinners); wird er nicht getragen, kann dies sogar eine Zwangsexmatrikulierung nach sich ziehen! Im Einzelnen besteht sub-fusc aus einem gown (= Talar), einem mortar board (= Hut), white bow tie/black ribbon (= Fliege bzw. Schleife für Männer bzw. Frauen) und insgesamt sehr feierlicher schwarzer Kleidung.
Zugegeben, ich finde das alles richtig faszinierend!
The Danger Comes from the Right Side
Schon einmal einen Jaguar – no mighty ’49 Studebaker around here – sich Dir von rechts nähern gesehen? Ach, das wird noch eine Weile dauern, bis ich nicht mehr hektisch in alle Richtungen blicke, bevor ich eine Straße überquere.
Starbucks
Alte und äußerst geschätzte Bekannte wieder zu sehen, bedeutet stets eine große Freude. In Oxfords Cornmarket Street sah ich Starbucks wieder, die Kultkaffeehauskette aus Seattle, der ich bereits während meines Jahres in Austin, Texas (1999/2000) meine Treue versprach. (Oh, wie viele all-nighters, durchgemachte study-nights, hatten wir da verbracht... bei iced café latte oder frappuccino...well, dear Longhorns, I’ll never forget you!)
£
Living in Oxford is pretty expensive...
The Carfax
The Carfax ist eine zentrale Straßenkreuzung im Herzen Oxfords. Es beeindruckt mich, dasses eine eiserne Regel gibt, die vorschreibt, postgraduate students der University of Oxford müssen in term-time within 25 miles of Oxford leben – anderenfalls wird ihnen kein akademischer Abschluss verliehen! Ja, und gemessen werden diese maximal 25 Meilen eben seit jeher exakt von the Carfax aus...
Pigeonholes
Jedem Studierenden wird im College ein pigeonhole (= Postfach) zugeteilt, in das dann universitäre und auch private Post abgelegt wird. Siehe unten.
Extracurricular Life
Wen wundert es... Oxford University Cross Country Club (OUCCC), Oxford University Badminton Club (O.U.Ba.C.), the Japanese Society, and the German Society. (Letztere Vereinigung, so hat man mir erklärt, sei ein wenig nationalistisch. Mmh, mal sehen...)
Wäre ich länger hier, würde ich mich der so traditionsreichen Oxford University Debating Society gerne vorsichtig nähern. Und Rudern würde ich dann wohl auch. Und...
Ach, aber so bleibe ich da, wo ich herkomme – beim long-distance running und beim Badminton.
Differences and Similarities
Wie beinahe überall im Leben, also in nahezu allen Lebensdisziplinen, finden wir uns auf einer Skala von Gut bis Böse wieder... von advantageous (= vorteilhaft) bis disadvantageous (= unvorteilhaft).
Einerseits erscheint es mir wie ein Privileg – wer weiß, vielleicht sogar ein unverdientes? –, step by step die Chance zu erhalten, Deutschland mit den USA und England und zugleich auch noch Japan vergleichen zu können; ich weiß, dass Kenner der internationalen Szene dem nun hinzufügen würden – man darf nicht vergleichen! Aber man tut es doch, wenigstens insgeheim...
Andererseits beschert mir dieses Leben eine an Quantität und Qualität enorme Impressionsmasse – ich komme nicht umhin zu glauben, dass dieses Erleben und Durchleben (schon wieder) zu einem slowing down mancher Lebensprozesse führt, führen könnte.
And, Finally, If You Wish to Write me...
Nadine M. Schoeneck
c/o St Cross College
61 St Giles
Oxford OX 1 3LZ
England
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