Marathon
Ich laufe, weil ich nicht nur sitzen mag. Wie ich zum Laufen kam, und warum gilt: Running rocks!
In der Retrospektive vermute ich, dass es lediglich eine Frage der Zeit war, bis ich das Lauftraining für mich entdeckte, denn mein Vater zählte in den 1980er und 1990er Jahren zu den weltbesten Ultralangstreckenläufern, insbesondere in der Disziplin 24-plus-x-Stunden. Doch es erschien mir während meiner Teenagerjahre gänzlich unattraktiv, in meinem Vater ein Vorbild für mich zu sehen, mit anderen Worten: in die Stapfen seiner Air Pegasus treten, wollte ich damals nicht. Überhaupt fand ich Sport – immerhin: sieben Jahre Judo, vier Jahre Leichtathletik und ungezählte Jahre Badminton durchziehen meine Kindheit und Jugend – weit weniger cool als Schlagzeugspielen in meiner Schülerband...
Meine wenig sport-affine Haltung erfuhr eine erste milde Modifikation zu Beginn meines Studiums, für das ich den ungeliebten heimischen Westerwald – und damit allerdings auch mein heißgeliebtes Schlagzeug – verließ und mitten ins Ruhriland, nach Bochum, zog. Das war im Herbst 1996. Es mag das Freud’sche Über-Ich gewesen sein, das seinerzeit zu mir sprach: "Also nur studieren und den intellektuellen Horizont erweitern, das ist entschieden zu wenig. Du wirst an Masse zulegen, und dein Podex wird sich in beängstigender Weise dem ergonomischen Profil deines Schreibtischstuhls anpassen. Tu' was! Beweg' dich!"
Ich kann von Glück schreiben, dass in meinem Studentenwohnheim Alexander und Markus lebten, die ähnlich dachten wie ich: alle paar Tage, rund dreimal in der Woche, für eine Dreiviertelstunde auf den Asphalt und sich einige Kilometer durch Bochum-Querenburg schinden. Das machte – Hand aufs Herz – keinen allzu großen Spaß, beruhigte jedoch das zugebüffelte Gewissen. Auch auf Lauf- und Exfreund Ivo verlor ich regelmäßig rund einhundert Meter beim Zwischenspurt auf der Overbergstraße...
Diesen läuferisch braven Tipp-Tapp-Stil hätte ich vermutlich unreflektiert beibehalten, wäre ich im Sommer 1999 nicht für ein Auslandsstudienjahr nach Austin, Texas gegangen. Tief in mir trug ich den Wunsch, irgendetwas Besonderes während meines Jahres in den USA zu machen – entweder wieder Schlagzeugspielen (dann in einer Countrymusic-Band) oder...
...gleich in der ersten Woche meines Aufenthaltes entdeckte ich einen Aushang des TEXAS MARATHON TRAINING TEAM der dortigen Universität und las interessiert und erfreut, auch 26,2-Miles-Novizen seien herzlich willkommen. Das war’s, das Besondere: Ich würde meinen ersten Marathon in Texas laufen und damit meinem Vater eine späte Genugtuung bereiten, denn schließlich litt er – davon bin ich überzeugt – all die Jahre unter seiner nicht allzu sportlichen Tochter.
Mein Jahr in Texas zählt zu den prägendsten meines bisherigen 36-jährigen Lebens; da ich seither dazu neige, mich dem Schwelgen in Erinnerungen ungehemmt hinzugeben, wähle ich hier, wo es doch primär um die Anfänge meiner Laufleidenschaft geht, bewusst eine Abkürzung und behaupte: Dieses Jahr 1999/2000 war stark gekennzeichnet durch ein äußerst smartes, aber auch zeitintensives Ausdauertraining. Ich denke, dies ist ganz typisch für US-Amerikaner: entweder sie sind träge & dick oder absolut körperbezogen & sportbegeistert. Mehrheitlich hatte ich es – God bless America! – mit Letzteren zutun.
Am 06. Februar 2000 lief ich nach nur gut sechsmonatigem, obschon äußerst konsequenten Training meinen ersten Marathon: den AUSTIN MOTOROLA MARATHON, der heute AT & T AUSTIN MARATHON heißt. Und ich tat dies in einer für eine Anfängerin durchaus ansehnlichen Zeit in 03:50:50. Kurz vor dem Start setzte mir Mistie, eine Teamkollegin, noch einen hoch hüpfenden Floh ins Ohr: "Läufst Du 03:40 oder schneller, qualifiziert dich das für den Boston Marathon!" Nun, daraus wurde nichts – übrigens: bis heute (noch) nicht...
Back in Bo beschloss ich, per Annoncen und Aushängen systematisch nach marathonlaufenden Trainingspartnern Ausschau zu halten. Auf diesem Wege habe ich einen Haufen netter Leute kennen gelernt, allen voran Daniel, mit dem ich seither viele lange gemeinsame (Trainings-)Läufe bestritten habe. Daniel war es auch, der mich im Frühjahr 2004 zu der Laufgemeinschaft der Opelaner, heute LGO Bochum, brachte.
Um zu einem Ende zu kommen, schließe ich mit einem Was-bisher-geschah. Alternativ könnte ich diesen letzten Teil auch etikettieren mit: 27 Laufschuhpaare später... Ich laufe immer noch und mit stabilem Enthusiasmus. Fast ausschließlich laufe ich übrigens in Asics; mein Lieblingsmodell ist der DS Trainer. Jedes Jahr bringe ich es auf zehn bis fünfzehn Wettkämpfe, alle Strecken von 10 km bis 63,3 km und meistens engagiert gecoacht von meinem Mann Werner und – seit Sommer 2005 – unserer Bearded-Collie-Hündin Uschika, die zwischenzeitlich auch zu einer Art "LGO-Maskottchen" wurde.
Nachdem meine texanischen Debützeiten aufgrund des bereits gelobten guten Trainings lange Zeit auch meine persönlichen Bestzeiten darstellten – zum Teil gilt dies leider bis heute (etwa die 10er-Zeit in 43:41) –, verbessere ich mich seit 2004 wieder step by step. Vorzugsweise trainiere ich lange Strecken im knapp 6er-Tempo; dies ermöglicht mir einen bekömmlichen Puls im Bereich von 130 bis 145 beats per minute. Auf längere Sicht werde ich möglicherweise auf Strecken in der Über-Marathon-Klasse ausweichen; im Training tue ich dies schon heute gelegentlich.
Meine aktuelle Marathon-Bestzeit liegt bei 03:43:56 und stammt aus Steinfurt 2009.
Seit 2007 starte ich gelegentlich als Brems- und Zugläuferin. Meine bisherigen Einsätze als Pacemakerin:
- Karstadt Ruhr Marathon 2007 - 04:12:32 (Zielzeit: "unter 4:15")
- Volksbank Münster Marathon 2007 - 04:12:57 (Zielzeit: "unter 4:15")
- Karstadt Ruhr Marathon 2008 - 04:14:07 (Zielzeit: "unter 4:15")
- Volksbank Münster Marathon 2008 - 04:13:42 (Zielzeit: "unter 4:15")
- Volksbank Münster Marathon 2009 - 03:57:17 (Zielzeit: "unter 4:00")
- Volksbank Münster Marathon 2010 - 04:12: 47 (Zielzeit: "unter 4:15")
- Volksbank Münster Marathon 2011 - 04:14: 43 (Zielzeit: "unter 4:15")
Sowohl das Training als auch die Wettkämpfe werden sorgfältig dokumentiert – zum einen im papierbasierten Lauftagebuch, zum anderen in Microsoft Excel: Sobald die dort berechnete und eingezeichnete lineare Regressionsgerade meiner Wettkampfzeiten fällt, bedeutet dies, dass ich mich verbessere. Und selbstverständlich sammle ich Urkunden, hänge sie jedoch nicht an die Wand, sondern bewahre sie in Ordnern auf. Denn bei aller Liebe zum Laufen gilt: Es ist nur mein (größtes) Hobby...
Seit September 2009 trainiere ich mit der SG Stern Bremen.
Am 03. Juli 2011 lief ich meinen ersten 100er, den "Preußen 100er" - hier der dazugehörige Bericht.
