tempo, tempo

In den Monaten Mai bis Oktober 2002 arbeitete ich an einem Wettbewerbsbeitrag für den Deutschen Studienpreis der Hamburger Körber-Stiftung.

Der Titel meines Wettbewerbsbeitrags lautete:

"Der getriebene Mensch... und bin ich normal?"
 

tempo - Die beschleunigte Welt

Als damalige Studentin der Sozialwissenschaft mit Lieblingsdisziplin Soziologie führte ich im Rahmen des übergeordneten Wettbewerbsthemas "tempo! Die beschleunigte Welt" eine zeitsoziologische, empirisch-quantitative Studie durch.

Die Idee zu meinem Wettbewerbsbeitrag entsprang einer persönlichen Quelle: Reflexionen über die Zeit im sozialen Kontext. Seit langem schon hatte mich die Frage bewegt, ob meine individuelle Zeitwahrnehmung – stets ein bisschen getrieben – eigentlich der "sozialen Norm" entspricht. Ich wusste um meine eigenen Zeitempfindungen, aber welches Zeiterleben haben andere Menschen? Und welche soziologisch fassbaren Faktoren nehmen Einfluss auf die Zeiterfahrung eines Individuums?

Ich tastete mich an die Thematik heran und formulierte meine Untersuchungshypothese: Die subjektive Zeitwahrnehmung eines Individuums wird von dessen sozialer Schichtzugehörigkeit beeinflusst; demographische Variablen sowie sozio-ökonomische und sozio-kulturelle Variablen mögen wesentliche Einflussfaktoren sein.

Zur Überprüfung meiner Untersuchungshypothese bediente ich mich des Instrumentariums, das mir mein Studium der Sozialwissenschaft bot: Ich verknüpfte Theorie mit Empirie, indem ich die Ergebnisse meiner bundesweiten schriftlichen Befragung zur subjektiven Zeitwahrnehmung mit zeittheoretischen Überlegungen verband. Auf diesem Wege erhoffte ich mir, das Zeitgefühl meiner Mitmenschen kennen zu lernen – sowie eine Antwort auf meine Frage... und bin ich normal? zu erhalten.

Die Auswertung des Fragebogenrücklaufs – 162 von 801 in Deutschland lebende erwachsene Bürgerinnen und Bürger waren zur Auskunft bereit – zeigte, dass eine sozialstrukturelle Differenzierung im Antwortverhalten der Befragten kaum möglich war: Eindeutig schichtdeterminierte Antwortmuster traten nicht hervor! – Aha, aber auch das Herausfinden von Irrwegen sei ein substanzieller Forschungsbeitrag, las ich in der Wettbewerbsausschreibung; Hypothesen dürfen schließlich auch falsifiziert werden.

Gleichwohl habe ich während der sechs Monate Arbeit an meinem Wettbewerbsbeitrag eine Menge über die Zeitwahrnehmung der Bundesbürger herausgefunden, und das Fazit lautet: Der moderne Mensch unseres Kulturkreises fühlt sich tendenziell getrieben, vielfach sogar beschleunigt. Das Getriebensein beschränkt sich nicht etwa auf die Arbeitswelt, sondern diese Empfindung reicht bis in die Lebenswelt hinein.

 

Meinem Wettbewerbsbeitrag folgten eine zeitsoziologische, empirisch-quantitative Diplomarbeit (2002) sowie eine zeitsoziologische, empirisch-methodenintegrative Dissertation (2009).

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